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Mittwoch, 31. August 2016

Self-Publishing mit Amazon KDP [3]: Erfahrungsberichte

Grau ist alle Theorie, wie es so schön heißt, und daher habe ich mich mit zwei Autorinnen unterhalten, die beide bereits bei Amazon ihre Bücher selbst veröffentlicht haben. Ich begrüße ganz herzlich Charlotte Zeiler, welche nicht nur im Self-Publishing tätig ist, sondern nun auch im Drachenmond Verlag veröffentlicht hat. Ihr Roman La Vita Seconda nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise, die kunstvoll eine Verbindung von der Gegenwart zurück ins 17. Jahrhundert schlägt. Mit dabei ist außerdem Nicole Beisel, die schon diverse Bücher bei Amazon im Self-Publishing veröffentlicht hat. In ihrem erfolgreichsten Roman Der Ruf des Albatros beschreibt sie mit emotionaler Intensivität die gemeinsame Reise zweier Menschen und vermittelt ihren Lesern ein Gefühl der Hoffnung in scheinbar trostlosen Situationen. 





Willkommen. Ich danke euch beiden, dass ihr euch die Zeit für mich genommen habt. Lasst uns also direkt einsteigen! Als ihr euer erstes Buch fertigt hattet, habt ihr euch da direkt für Self-Publishing entschieden?


Nicole Beisel

Ich habe mich direkt für das SP entschlossen, weil ich keine Hoffnung sah, bei einem Verlag unterzukommen. Zudem hat ein Bekannter von mir selbst über KDP veröffentlicht, durch diesen bin ich überhaupt auch erst auf die Idee gekommen, meine Bücher zu veröffentlichen.


Charlotte Zeiler

Ich habe im Vorfeld nur Absagen von Literaturagenturen bekommen, deshalb habe ich mir gar nicht erst getraut, mich bei Verlagen zu bewerben. Der einzige Weg war daher Self-Publishing.



Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit Self-Publishing im Gegensatz zu traditioneller Veröffentlichung im Verlag gemacht? Wie fällt insbesondere der Unterschied im Marketing aus?


Nicole Beisel

Bei mir ist es so, dass ich selbst seit Jahren Self-Publishing betreibe, von Anfang auch über Kindle Direct Publishing (KDP), und jetzt bin ich für mein neues Buch bei einem kleinen Verlag untergekommen mit Aussicht auf weitere Veröffentlichungen. Also verlagstechnisch muss ich meine Erfahrungen erst noch sammeln. Vorteil vom SP bei KDP ist natürlich die Option auf 70% Tantiemen, bei niedrigen Preisen 30%. Das ist immer noch mehr, als man bei einem Verlag erhalten würde. Allerdings hast du ja das Marketing-"Problem" schon angesprochen. Jeder Verlag ist anders und jeder SPler vermarktet und wirbt anders. Das liegt teilweise am Budget, an den Ideen und der Kreativität, am Genre (Was ist gerade angesagt?) und am Leserstamm, sofern man sich schon einen aufbauen konnte. Und dazu kommen wir auch schon zu den Stammlesern, die tatsächlich meist über Facebook oder andere Social Networks auf dem Laufenden bleiben und sich alle Bücher des Lieblingsautors kaufen. Außerdem gibt es wohl seit kurzem die Option, dem Lieblingsautor bei Amazon zu folgen und so über neue Veröffentlichungen auf dem Laufenden zu bleiben.


Charlotte Zeiler

Ich habe für mein Self-Publishing-Buch einmalig für 3 Monate ein Marketing Paket zusätzlich gebucht. Hat aber leider nicht viel gebracht. Ansonsten mache ich fast alles selbst.



Richtig, Amazon bietet die Möglichkeit, einem Autor zu folgen und bei neuen Veröffentlichung mittels Mail informiert zu werden. Das scheint noch eine recht neue Funktion zu sein, die wohl auch noch in den Kinderschuhen steckt. Nicole, du sprachst von bis zu 70% Gewinnbeteiligung bei Amazon. Denkt ihr, dass man bei Verlagen mit ähnlichen Prozenten rechnen kann?


Nicole Beisel

Das wäre mir neu. Ich habe eine Beteiligung von 10% bzw. 30%.


Charlotte Zeiler

Das glaube ich nicht. Höchstens bei den Nebenrechten (Verfilmung etc.), vielleicht ca.50%.



Habt ihr persönlich eine Stammleser-Basis?


Nicole Beisel

Ja, einen kleinen, aber immerhin.



Magst du mir ein wenig erzählen, wie du mit diesen Stammlesern interagierst, wie du sie "geworben" hast und was du machst, um sie zu halten?


Nicole Beisel

Geworben habe ich sie wohl alle entweder über Facebook oder direkt in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Gerade hier über Facebook erfahren sie immer alles über neue Romane und aktuelle Projekte. Was ich tue, um sie zu halten? Eigentlich nichts. Ich muss niemanden "halten", jeder darf sich frei fühlen, meine Bücher zu lesen. Ist das Interesse da, werden neue Bücher schnell erworben. Das Drucken von Lesezeichen oder kleine Gewinnspiele und der Verkauf signierter Exemplare kamen immer gut an, das wird wohl auch hilfreich gewesen sein.



Nutzt ihr eine eigene Facebook-Seite für die Schriftstellertätigkeit?


Nicole Beisel

Ja, ich habe eine eigene Seite, wo ich hin und wieder auf meine Tätigkeit hinweise, aber auch auf meinem privaten Profil halte ich meine Leser gerne auf dem Laufenden.


Charlotte Zeiler

Google+ läuft bei mir eindeutig besser.



Kümmert ihr euch beim Marketing um alles selbst?


Charlotte Zeiler

Ich mache immer noch viel in Sachen Marketing. Enger Kontakt zum Leser, geführte Leserunden auf Lovelybooks. Mittlerweile kontaktieren die Blogger aber auch schon mich. Am Anfang habe ich einzelne Blogger persönlich angeschrieben. Außerdem nutze ich verschiedene Facebookgruppen für eine erste Kontaktaufnahme


Nicole Beisel

Um solche Dinge kümmere ich mich selbst. Letztlich beim Flashmob hier auf Facebook, der von einer Kollegin für mich auf die Beine gestellt wurde, hat sie das komplette Programm übernommen, um mich zu unterstützen, wofür ich ihr wahnsinnig dankbar bin.



Ein Flashmob?


Nicole Beisel

Eine Veranstaltung auf Facebook. Alle meine bisher veröffentlichten Bücher wurden mit Links, Klappentexten, Textauszügen und Covern vorgestellt und mit dem Besitz oder dem Kauf meiner Bücher konnte man Punkte sammeln. Das ging ein ganzes Wochenende lang und am Ende wurden die Punkte ausgewertet und der Sieger benannt.



Oh, das ist eine sehr kreative Idee. Das ist für deine Fans sicher auch eine gute Möglichkeit, mal mit ihrer "Treue" angeben zu können. Wie kam es dazu, dass ihr jetzt einen Verlag statt SP nutzen wollt?


Nicole Beisel

Ich betreibe schon lange Self-Publishing und habe gemerkt, dass ich mit meinen Büchern mehr erreichen will, mehr Leser gewinne und für meine Bücher begeistern will, doch meine Marketingfähigkeiten reichen einfach nicht aus. Ich wollte es einfach mal über einen Verlag versuchen, und da bekam ich ein Angebot von einem Verlag, für den ich auch als Korrektorin tätig bin. Daraus wurde nun eine feste Zusammenarbeit, gestern kam mein erster Verlagsvertrag bei mir an. Ich bin gespannt, ob ich so noch weitere Leser für mich gewinnen kann.


Charlotte Zeiler

Ich wollte schon immer in den stationären. Buchhandel. Ich liebe einfach die Buchläden, die Atmosphäre dort. Mit dem Verlagsangebot wurde mir ein großer Traum erfüllt.



Wenn man mit SP halbwegs erfolgreich ist und zeigen kann, dass man nicht nur ein Buch schreibt, ist es vermutlich später auch leichter, sich bei einem Verlag zu bewerben. Nicole, du sagtest ja, dass dein Vertrag jetzt von einem Verlag kommt, für den du bereits als Korrektor arbeitest. Hast du das gelernt/studiert, oder dich einfach durch exzellente Arbeit empfohlen?


Nicole Beisel

Das Ganze hat sich durch einen "Freundschaftsdienst" für eine befreundete Autorin ergeben. Sie hatte ihr Werk veröffentlicht, als wir uns über Facebook kennenlernten. Wir verstanden uns auf Anhieb und nach kurzer Zeit erzählte sie mir, wie traurig sie über die negativen Rezensionen sei. Ich bot ihr an, ihr Werk zu überprüfen und konnte es tatsächlich um einiges verbessern, wie auch nachfolgende Rezensionen zeigten. Danach war ich offiziell nebenberuflich als Korrektorin tätig und habe auch ihre weiteren Werke korrigiert. Man sah die Veränderung deutlich an den Rezensionen und mit der Zeit habe ich weitere Kunden gewonnen. Nachdem meine Tochter Anfang letzten Jahres auf die Welt kam, habe ich meine Arbeit vertieft und bin seit Ende der Elternzeit als Korrektorin und PR-Texterin selbständig und bis auf das Sommerloch läuft es sehr gut. :Durch eine weitere Autorin hier auf FB wurde ich meinem jetzigen Verlag als Korrektorin empfohlen, und so kamen der Verlag und ich in Kontakt.



Hast du selbst für deine Bücher noch jemanden, der drauf schaut, oder bist du da selbstbewusst genug, dass du weißt, was du tust?


Nicole Beisel

Auch meine Bücher werden vor der Veröffentlichung von Dritten überarbeitet. Für die eigenen Texte ist man oft blind, sodass man vieles beim Überarbeiten noch übersieht.



Arbeitet ihr mit Buch-Bloggern zusammen, die Rezensionen auf ihren Blogs für euch veröffentlichen? Wenn ja, wie ist eure Erfahrung?


Nicole Beisel

Ich selbst habe zur Anfangszeit Rezensionsexemplare rausgegeben, aber leider nur ganz selten Rückmeldung erhalten. Seitdem gebe ich keine Exemplare mehr raus, aber es gibt hin und wieder Blogger, die mich mit Buchtipps, Autorentagen und Präsentationen unterstützen.


Charlotte Zeiler

Sehr gute Erfahrungen. Ihnen habe ich viel zu verdanken. Fast alle Rezensionen kommen von ihnen. Der "Otto-Normal-Leser" schreibt kaum Rezensionen.




Vielen Dank euch beiden für das ausführliche Interview.

Mittwoch, 24. August 2016

Self-Publishing mit Amazon KDP [2]: Harte Fakten

Nachdem ich letzte Woche einige sehr erfolgreiche Beispiele genannt habe, die zeigen, dass Autoren in Eigenregie sehr viel Geld verdienen können, ohne von sich aus zuerst einen Verlag anzusprechen, wollen wir uns diese Woche mit den nackten Zahlen beschäftigen. Wie viel kann ich tatsächlich mit Amazon KDP verdienen? Welche Genres ziehen? Sollte ich vielleicht doch lieber zu einem richtigen Verlag gehen?




Die wöchentliche eBook-Topliste


Die deutsche Website "Die Self-Publisher-Bibel" veröffentlicht regelmäßig eine Top-1000-Liste der Bücher, die auf Amazon am besten laufen. Auf Platz 1 diese Woche ist der Liebesroman "Ein Ire fürs Herz" von Annabelle Benn. Die Amazon-Verkaufsseite zeigt, dass es in den beiden eBook-Kategorien Liebesroman und Dramatik ebenfalls jeweils auf Platz 1 liegt sowie in der Belletristik-Kategorie für Dramatik. Das Buch ist als eBook für 1,89€ zu haben, Abonnenten von KindleUnlimited, einer eBook-Flatrate, lesen es kostenlos.
Ein Blick auf die restliche Top 20 zeigt schnell: Hier dominieren Liebesromane und Thriller, nur ein Humor-Buch hat sich dazwischen geschlichen. Ebenfalls ist auffällig, dass diverse dieser Bücher Bestandteil einer Reihe sind. Der Markt hat offenbar Interesse an Liebesgeschichten, die über viele Bücher hinweg gestrickt werden, und an Ermittlern, die in einem Fall nach dem anderen spannende Fälle lösen.


Wie viel verdiene ich tatsächlich mit Self-Publishing?


Natürlich ist es unmöglich, den Erfolg eines Buches vorherzusehen, entsprechend ist das tatsächliche Einkommen sehr individuell. Man kann sich jedoch mit ein paar Mathe-Beispielen behelfen oder allgemeine Statistiken und Umfragen betrachten.
Fangen wir mit der Mathematik an. Amazon KDP bietet zwei Tantieme-Optionen an, wobei Tantieme bestimmt, wie viel Prozente vom tatsächlichen Buchpreis am Ende an den Autor gehen. In Deutschland kann man dabei relativ frei zwischen 35% und 70% wählen. Natürlich will man da als Autor sofort zu der 70%-Option greifen, doch das hat einen Haken: Der Mindestpreis für diese eBooks liegt bei 2,99€. Für einen Anfänger, der noch kein Buch veröffentlicht hat und an der eigenen Qualität zweifelt, ist das schon ein stolzer Preis. Ich persönlich habe mich daher für mein erstes (noch nicht veröffentlichtes) Buch für die 35%-Option entschieden, welche einen Mindestpreis von 0,99€ verlangt. Nehmen wir an, ich mache Werbung für dieses Buch und schaffe es tatsächlich, dass innerhalb der ersten Woche 120 Menschen mein Buch kaufen.

120 eBooks für 0,99€ = 118,80€  → 118,80€ * 0,35 = 41,58€

In diesem Beispiel, das schon mit einem guten Erfolg des Buches rechnet, würde ich also innerhalb von einer Woche 42€ verdienen. Auf den Monat hochgerechnet ergäbe das 160€. Davon kann ich meine Krankenversicherung bezahlen, aber niemals meine Miete - und da habe ich immerhin mit knapp 500 Buch-Verkäufen im Monat gerechnet!

Eine Umfrage der Self-Publisher-Bibel, welche sie seit 2013 jährlich durchführen, zeichnet auf den ersten Blick ein besseres Bild. Der Durchschnittsverdienst aller Umfrageteilnehmer lag 2015 bei 512€, während er 2014 bei 494€ und 2013 bei 312€ lag. Es ist also nicht nur ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen, sondern über 500€ als Monatsverdienst klingen schon gar nicht so schlecht. Doch wie immer liegt der Teufel im Detail: Nur 16% der Teilnehmer von 2015 gaben an, dass sie im Monat mehr als 300€ verdienen. Der Durchschnittsverdienst wird also deutlich nach oben verzerrt durch einige wenige Ausnahmen, die tausende Euro mit ihren Werken verdienen. Mehr als 80% aller Self-Publishing-Autoren verdienen keine 300€ im Monat, schlimmer noch, etwa die Hälfte der Autoren verdienen keine 50€. Da erscheint mein Rechenbeispiel plötzlich sehr freundlich.

Für 2016 sieht es in der Einkommensverteilung übrigens sehr ähnlich aus:

Quelle: selfpublisherbibel.de, Eigene Darstellung
Noch immer ist für die Hälfte der Autoren das Self-Publishing kaum ein ernstzunehmender Nebenverdienst. Die 15% jener, die über 1.000€ im Monat mit ihren Büchern verdienen, locken natürlich, doch dagegen stehen die knapp 70%, die mit ihren Einnahmen ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren können. Auch zeigt sich, dass es eine deutliche Zweiteilung gibt, da nur 4% in dem Rahmen zwischen 500€ und 1.000€ liegen. Eine kleine Minderheit lebt gut vom Schreiben, die deutliche Mehrheit kann es nur als Taschengeld betrachten.

Sollte ich also besser meine Finger vom Self-Publishing lassen und entweder gar nicht schreiben, oder es bei einem Verlag versuchen? Meine persönliche Antwort darauf lautet: Nein. Das tatsächliche Einkommen hängt von so vielen Faktoren ab, die man teilweise selbst beeinflussen kann, dass es für jeden Schriftsteller definitiv zumindest einen Versuch wert ist. Lediglich eine realistische Perspektive sollte man sich bewahren, denn wer denkt, mit Bücherschreiben könne er schnelles, leichtes Geld verdienen, hat sich verkalkuliert. In den nächsten Wochen werde ich auf diesem Blog eine Reihe von Tipps und Strategien zusammenstellen, die dem Erfolg eines Buches helfen können. Meine eigene Reise beginnt erst, so dass ich zeitgleich alle vorgeschlagenen Tipps selbst anwenden und auf Effektivität auswerten kann. Es stehen uns allen einige spannende Monate bevor!

Mittwoch, 17. August 2016

Self-Publishing mit Amazon KDP [1]: Wie werde ich Buch-Millionär?

Auf Amazon eBooks hochladen und verkaufen ist leicht. Doch um wirklich Geld verdienen zu können, braucht es Glück - oder eine gehörige Menge Schweiß, Blut und Tränen. Nur, wer sich nicht scheut, für sich selbst Werbung zu machen und Stunden in Promotion zu stecken, wird am Ende belohnt. Soziale Netzwerke, ein klarer Marketing-Plan und Geduld sind der Schlüssel zum Erfolg.




Die Geschichte von Amanda Hocking ist unter eBook-Autoren ebenso berühmte wie jene von Anna Todd bei Wattpad-Usern. Hocking arbeitete als Altenpflegerin und schrieb nebenbei Romane, von denen sie einen im Jahr 2010 als eBook bei Amazon anbot. Bereits 2011 kündigte sie ihre Arbeitsstelle und widmete sich Vollzeit der Schriftstellerei, da sie täglich rund 9.000 Exemplare ihres Buches verkaufen konnte und in kürzester Zeit zur Millionärin wurde.
Ähnlich erging es auch Anna Todd: Sie schrieb auf Wattpad eine Fanfiction über die Boyband One Direction. Ihre After-Serie wurde schnell so beliebt, dass sich eines der größten englischen Verlagshäuser, Simon & Schuster, für das Manuskript interessierte und es - nach Namensänderung natürlich - zu einem weltweiten Bestseller machte.

Beide Beispiele erwecken in jedem Schreiberling die Hoffnung, dass man es via Wattpad oder auf Amazon tatsächlich schaffen kann, richtig, richtig viel Geld zu verdienen. Doch natürlich sind solche märchenhaften Geschichten den wenigsten gegönnt und so stellt sich nach der Ernüchterung die Frage: Kann ich tatsächlich mit eBooks auf Amazon Geld verdienen?
Die Antwort darauf lautet: Ja, natürlich. Doch den Lebensunterhalt nur davon bestreiten zu wollen, wird schwierig. Der Vorteil des Self-Publishing ist, dass man nicht hunderte Anfragen an Agenten oder Verlage schicken muss, nur um dann ausschließlich Absagen zu erhalten, die das eigene Selbstbewusstsein zerstören. Der Nachteil auf der anderen Seite besteht darin, dass eBooks generell zu deutlich günstigeren Preisen als gedruckte Bücher angeboten werden und gerade selbst publizierte Bücher noch einmal deutlich billiger verkauft werden müssen. Man verdient also an jedem verkauften Exemplar mehr oder minder nichts.

Amazon bietet mit dem Kindle Direct Publishing (KDP) eine sehr leichte Möglichkeit, eigene Texte auf den Markt zu bringen. Nachdem man sich durch ein langes Formular voller Juristen-Sprech gequält hat (Steuern sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen), braucht man lediglich einen Titel, Kategorien, ein Titelbild und den eigentlichen Text - und schon kann man theoretisch auf Veröffentlichen klicken und zusehen, wie das Buch gekauft wird. Oder eben auch nicht.
In einer Welt, wo publizieren so leicht gemacht wird, tritt man augenblicklich gegen tausende Konkurrenten an. Die kalte Tatsache ist: Niemand wartet auf dein Buch. Egal, wie gut du schreiben kannst, wie genial dein Plot, wie faszinierend deine Charaktere, niemand wird dir irgendetwas schenken. Wenn man also tatsächlich auch nur ein einziges Exemplar verkaufen möchte, muss man selbst aktiv werden, d.h. Werbung machen. Es ist nicht jedem Menschen gegeben, mit Leichtigkeit das Scheinwerferlicht auf sich selbst zu richten, um Leser, die sich eigentlich gar nicht dafür interessieren, etwas über das eigene Werk zu erzählen. Doch da einem Autor im Self-Publishing die üblichen Marketing-Methoden der großen Verlagshäuser verschlossen bleiben, ist genau das von Nöten: Nutze die Sozialen Netzwerke, erzähle deinen Freunden und deiner Familie von deinem eigenen Buch, mobilisiere Bekannte, dass sie Rezensionen verfassen.

Die Macht der Sozialen Netzwerke sollte in der heutigen Zeit nicht unterschätzt werden. Was früher hauptsächlich über Mailing-Listen geschah, findet nun bei Twitter, Facebook, Instagram und Co statt. Wenn man bereits eine eigene Facebook-Seite hat, kann man seinen Followern dort über das eigene Buch informieren. Auch Instagram bietet interessante Möglichkeiten, z. B. indem man ein Zitat aus dem Buch als schönes Bild verpackt postet mit einem Link zu Amazon. Beinahe am leichtesten jedoch erscheint mir Twitter, da dort mit einem einzigen Klick auf Retweeten die Nachricht über das erste eigene Buch von Follower zu Follower geteilt werden kann. So verbreitet sich das Buch immer weiter, bis es schließlich Menschen erreicht, die den Autor gar nicht kennen.
Wer bei Wattpad oder auf einer anderen Schreib-Plattform aktiv ist, kann dort ebenfalls interessierte Käufer finden. Am Ende darf man nie vergessen, dass Autoren-Gemeinschaften geprägt sind von Unterstützung und gegenseitiger Anteilnahme. Jeder möchte es schaffen, und jeder ist deswegen interessiert daran, anderen zu helfen, in der Annahme, dass einem selbst später auch geholfen wird.

Das Fazit ist also: Nur, wer auch nach der ersten Veröffentlichung seiner Geschichte als eBook dranbleibt, Werbung macht und sich aktiv darum kümmert, dass immer mehr Menschen sich für das Buch interessieren, wird am Ende des Tages ein wenig Geld damit machen. Zum Millionär wird man so nicht - auch wenn einzelne Ausnahmen sich glücklich schätzen können -, und auch den Lebensunterhalt wird man damit nicht von Anfang an bestreiten können. Doch wenn man beharrlich bleibt, konstant neue Bücher veröffentlicht und jede Menge Schweiß in Marketing steckt, kann das Self-Publishing zumindest zu einem zweiten Standbein im Leben werden.

Montag, 15. August 2016

Mein neues Leben

Am 08. August habe ich nach langen Jahren der Forschung meine Abschlussarbeit für den Masterstudiengang "Parlamentsfragen und Zivilgesellschaft" abgegeben. Obwohl ich die Arbeit noch verteidigen muss - eine mündliche Prüfung absolvieren -, markiert dieser Tag doch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts für mich.

Meine Zeit als Studentin ist endgültig vorbei, ein Nebenjob muss her (der zum Glück schnell gefunden war) und nun kann ich mich endlich auf das konzentrieren, was ich schon mein Leben lang machen wollte: Bücher schreiben.







Die kommenden Wochen und Monate werden sehr spannend für mich. Ich werde meine ersten Werke via KDP (Kindle Direct Publishing) bei Amazon selbst verlegen und gleichzeitig an Manuskripten arbeiten, mit denen ich mich bei Agenten bewerben möchte. Heutzutage ist es beinahe unerlässlich, dass man als angehender Autor einen Agenten hat, da dieser einen besser, konstruktiver und vor allem informierter gegenüber Verlagen vertreten kann. Natürlich bedeutet das einen Einschnitt in möglichen Einnahmen, doch die Konditionen, die ein Agent aushandeln kann, sind ganz anders, als es mir möglich wäre.

Im März werde ich die Leipziger Buchmesse, im darauffolgenden Oktober die Frankfurter Buchmesse besuchen, um noch besser in der Branche Fuß fassen zu können. Auf diesem Blog werde ich euch über mein tägliches Leben, vor allem aber über meine Erfahrungen in der Welt der freien Autoren auf dem Laufenden halten. Ich lade euch ein zu einer gemeinsamen Reise, nehmt euch einen Kaffee (oder Tee, davon habe ich auch jede Menge), macht es euch gemütlich und stöbert durch meinen Blog!


Eure Julia aka Thoronris