Mittwoch, 17. August 2016

Self-Publishing mit Amazon KDP [1]: Wie werde ich Buch-Millionär?

Auf Amazon eBooks hochladen und verkaufen ist leicht. Doch um wirklich Geld verdienen zu können, braucht es Glück - oder eine gehörige Menge Schweiß, Blut und Tränen. Nur, wer sich nicht scheut, für sich selbst Werbung zu machen und Stunden in Promotion zu stecken, wird am Ende belohnt. Soziale Netzwerke, ein klarer Marketing-Plan und Geduld sind der Schlüssel zum Erfolg.




Die Geschichte von Amanda Hocking ist unter eBook-Autoren ebenso berühmte wie jene von Anna Todd bei Wattpad-Usern. Hocking arbeitete als Altenpflegerin und schrieb nebenbei Romane, von denen sie einen im Jahr 2010 als eBook bei Amazon anbot. Bereits 2011 kündigte sie ihre Arbeitsstelle und widmete sich Vollzeit der Schriftstellerei, da sie täglich rund 9.000 Exemplare ihres Buches verkaufen konnte und in kürzester Zeit zur Millionärin wurde.
Ähnlich erging es auch Anna Todd: Sie schrieb auf Wattpad eine Fanfiction über die Boyband One Direction. Ihre After-Serie wurde schnell so beliebt, dass sich eines der größten englischen Verlagshäuser, Simon & Schuster, für das Manuskript interessierte und es - nach Namensänderung natürlich - zu einem weltweiten Bestseller machte.

Beide Beispiele erwecken in jedem Schreiberling die Hoffnung, dass man es via Wattpad oder auf Amazon tatsächlich schaffen kann, richtig, richtig viel Geld zu verdienen. Doch natürlich sind solche märchenhaften Geschichten den wenigsten gegönnt und so stellt sich nach der Ernüchterung die Frage: Kann ich tatsächlich mit eBooks auf Amazon Geld verdienen?
Die Antwort darauf lautet: Ja, natürlich. Doch den Lebensunterhalt nur davon bestreiten zu wollen, wird schwierig. Der Vorteil des Self-Publishing ist, dass man nicht hunderte Anfragen an Agenten oder Verlage schicken muss, nur um dann ausschließlich Absagen zu erhalten, die das eigene Selbstbewusstsein zerstören. Der Nachteil auf der anderen Seite besteht darin, dass eBooks generell zu deutlich günstigeren Preisen als gedruckte Bücher angeboten werden und gerade selbst publizierte Bücher noch einmal deutlich billiger verkauft werden müssen. Man verdient also an jedem verkauften Exemplar mehr oder minder nichts.

Amazon bietet mit dem Kindle Direct Publishing (KDP) eine sehr leichte Möglichkeit, eigene Texte auf den Markt zu bringen. Nachdem man sich durch ein langes Formular voller Juristen-Sprech gequält hat (Steuern sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen), braucht man lediglich einen Titel, Kategorien, ein Titelbild und den eigentlichen Text - und schon kann man theoretisch auf Veröffentlichen klicken und zusehen, wie das Buch gekauft wird. Oder eben auch nicht.
In einer Welt, wo publizieren so leicht gemacht wird, tritt man augenblicklich gegen tausende Konkurrenten an. Die kalte Tatsache ist: Niemand wartet auf dein Buch. Egal, wie gut du schreiben kannst, wie genial dein Plot, wie faszinierend deine Charaktere, niemand wird dir irgendetwas schenken. Wenn man also tatsächlich auch nur ein einziges Exemplar verkaufen möchte, muss man selbst aktiv werden, d.h. Werbung machen. Es ist nicht jedem Menschen gegeben, mit Leichtigkeit das Scheinwerferlicht auf sich selbst zu richten, um Leser, die sich eigentlich gar nicht dafür interessieren, etwas über das eigene Werk zu erzählen. Doch da einem Autor im Self-Publishing die üblichen Marketing-Methoden der großen Verlagshäuser verschlossen bleiben, ist genau das von Nöten: Nutze die Sozialen Netzwerke, erzähle deinen Freunden und deiner Familie von deinem eigenen Buch, mobilisiere Bekannte, dass sie Rezensionen verfassen.

Die Macht der Sozialen Netzwerke sollte in der heutigen Zeit nicht unterschätzt werden. Was früher hauptsächlich über Mailing-Listen geschah, findet nun bei Twitter, Facebook, Instagram und Co statt. Wenn man bereits eine eigene Facebook-Seite hat, kann man seinen Followern dort über das eigene Buch informieren. Auch Instagram bietet interessante Möglichkeiten, z. B. indem man ein Zitat aus dem Buch als schönes Bild verpackt postet mit einem Link zu Amazon. Beinahe am leichtesten jedoch erscheint mir Twitter, da dort mit einem einzigen Klick auf Retweeten die Nachricht über das erste eigene Buch von Follower zu Follower geteilt werden kann. So verbreitet sich das Buch immer weiter, bis es schließlich Menschen erreicht, die den Autor gar nicht kennen.
Wer bei Wattpad oder auf einer anderen Schreib-Plattform aktiv ist, kann dort ebenfalls interessierte Käufer finden. Am Ende darf man nie vergessen, dass Autoren-Gemeinschaften geprägt sind von Unterstützung und gegenseitiger Anteilnahme. Jeder möchte es schaffen, und jeder ist deswegen interessiert daran, anderen zu helfen, in der Annahme, dass einem selbst später auch geholfen wird.

Das Fazit ist also: Nur, wer auch nach der ersten Veröffentlichung seiner Geschichte als eBook dranbleibt, Werbung macht und sich aktiv darum kümmert, dass immer mehr Menschen sich für das Buch interessieren, wird am Ende des Tages ein wenig Geld damit machen. Zum Millionär wird man so nicht - auch wenn einzelne Ausnahmen sich glücklich schätzen können -, und auch den Lebensunterhalt wird man damit nicht von Anfang an bestreiten können. Doch wenn man beharrlich bleibt, konstant neue Bücher veröffentlicht und jede Menge Schweiß in Marketing steckt, kann das Self-Publishing zumindest zu einem zweiten Standbein im Leben werden.

Kommentare :

  1. Hallo Julia, ich teile deinen Wunsch, mir mit der Schriftstellerei (ggf. auch mit dem Bloggen) langfristig zumindest ein zweites Standbein aufzubauen. Derzeit bin ich aber noch gar nicht kommerziell ausgerichtet. Mein Ziel ist es, mir zuerst einen gewissen Leserkreis aufzubauen und zu sehen, ob ich überhaupt den Hauch einer Chance habe. Leider lag mein Traum jobbedingt Jahrzehnte auf Eis. Gerade nutze ich die Elternzeit zur Neuorientierung. Auch wenn die Annahme, dass ich mit zwei kleinen Kindern mehr Zeit hätte als vorher, utopisch war, bin ich hochmotiviert. :-) Artikel und Erfahrungsberichte von Gleichgesinnten zu den Themen Selfpublishing, Autorenmarketing und auch Verlagsveröffentlichung interessieren mich daher brennend. Ich denke auch, dass in den Social Media Kanälen großes Potential steckt. Allerdings ist es da, ähnlich wie bei Amazon, inzwischen wohl sehr viel schwieriger als früher, Sichtbarkeit zu erlangen und Leser zu erreichen. Zwecks Twitter und FB: Bei FB verfüge ich über eine weitaus geringere Followerzahl als bei Twitter, aber trotzdem greifen von FB verhältnismäßig mehr Leute auf meinen Blog zu. Bemerkenswert, finde ich. Ich habe mir vielleicht auch ein kleines Ei gelegt, indem ich Familienblog und Mysteryroman auf einer Plattform verknüpfe und deshalb sehr unterschiedliche Leute anspreche. Meine Zielgruppe ist nicht klar definiert. Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für Deinen Blog und natürlich auch für Deine schriftstellerische Zukunft! Liebe Grüße von Mary :-)

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    1. Guten Abend, liebe Mary.
      Es ist sehr schön zu sehen, dass heutzutage so viele ernsthaft versuchen, ihre kreativen Gedanken mit anderen Menschen zu teilen. Ich glaube dir aber auch sofort, dass man mit zwei kleinen Kindern nicht sehr viel Zeit hat. Wer denkt, als Mutter, die den ganzen Tag zu Hause ist, habe man alle Zeit der Welt, hat sich definitiv geschnitten.
      Ich glaube, die hohen Zugriffszahlen von Facebook aus erklären sich vor allem daraus, dass es am Ende doch irgendwie familiärer ist. Bei Twitter z.B. scrollt man nur schnell durch, nimmt Schlagzeilen wahr, aber klickt nie auf die Links. Facebook präsentiert schon mehr vom Artikel, ist direkter und persönlicher.
      Was die Vermischung von Themen angeht: Ich denke, am Anfang ist es tatsächlich ratsam, sich auf ein Thema zu spezialisieren. So baut man sich eine Lesergruppe auf, die sich für das Fachgebiet interessieren. Ein kleiner Kreis dieser Lesergruppe interessiert sich dann irgendwann generell für alles, was du produzierst, so dass du anfangen kannst, auch über andere Dinge zu schreiben, die wiederum andere, neue Leser anziehen. Eine zu große Vermischung am Anfang führt wohl tatsächlich dazu, dass Leser das Interesse verlieren, da sie nie wissen, was sie erwartet. Aber ich denke auch, dass Beharrlichkeit und Regelmäßigkeit früher oder später in jeder Themenkombination zu einem festen Leserkreis führen.
      Einen schönen Abend und hoffentlich bis bald,
      Julia

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  2. Ich schwanke derzeit noch, ob ich denselben Weg wie Du gehe oder es doch erst bei Verlagen versuche. Ich denke, ich werde mir erst einmal ein paar Absagen einsammeln, zumindest bis ich genug Geld für das Korrektorat bei der Seite habe. Ich bin zwar fit in Sachen Rechtschreibung und Grammatik, aber ich kenne meine Fehlerblindheit. Bei jedem Überarbeitungsgang finde ich etwas, und meine Testleser haben immer noch Fehler entdeckt, bei denen ich mich wundere, wie mir die entgehen konnten :D.

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    1. Hey, danke für den Kommentar :)
      Wenn man den Weg des Self-Publishings geht, sollte man tatsächlich Geld in Korrektorar investieren. Ich bspw. habe das aber derzeit nicht, weswegen ich diese Aufgabe selbst übernehmen muss und einige Freunde frage. Das ist nicht dasselbe und nicht professionell, aber für den Anfang muss es reichen.
      Ich würde dir raten, dich nicht direkt an Verlage zu wenden, sondern Agenten zu suchen. Agenten kennen sich besser im Geschäft aus und können bessere Konditionen rausschlagen. Wenn du einen Agenten für dich überzeugt hast, wird er solange mit dir arbeiten, bis er dein Buch bei einem Verlag untergebracht hat. Viele hauptberufliche Schriftsteller weisen darauf hin, dass es heute ohne Agent eigentlich nicht mehr geht. Vielleicht hast du da ja Erfolg? :)

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    2. Ich wollte mich eigentlich lieber direkt an Kleinverlage wenden. Agenten sind super, wenn man in die großen Publikuksverlage möchte. Allerdings schließen schon mal sehr viele Agenten mein Genre aus. Ein kleiner Verlag wurde mir etwa direkt von einer befreundeten Autorin ans Herz gelegt, da versuche ich es via Direktbewerbung. Wenn ich mich doch noch entscheiden sollte, dass ich zu den großen Publikumsverlagen hinstreben möchte, kann ich es immer noch bei einer der wenigen Agenturen versuchen, die auch Fantasy vertreten. Man kann da nicht nach Pauschalaussagen gehen, wie eben dass es eigentlich ohne Agent heute nicht mehr geht. Das hängt sehr davon ab, welches Genre man schreibt und was man erreichen möchte, man kann einen Autor von Gegenwartsliteratur nur schwer mit einem Fantasy-Autor vergleichen, das sind ganz andere Grundvoraussetzungen, und dann kommt es eben auch noch darauf an, welche Verlage man überhaupt ansprechen möchte. An die großen Publikumsverlage kommt man in der Tat ohne Agent so gut wie gar nicht, aber wie gesagt, die möchte ich auch gar nicht erreichen. Ein Kleinverlag mag mir nicht so viel in Sachen Marketing und co. bieten können, dafür ist es, nach allem, was ich bisher gelesen habe, oft familiärer.

      Ohne mindestens ein Korrektorat kommt mein Mordred jedenfalls nicht auf den Markt, und selbst das ist mir nicht genug. Wenn ich keinen Verlag davon begeistern kann, feile ich so lange, bis ich das Geld für ein Lektorat zusammengespart habe, und wenn es noch drei Jahre dauert. Ich habe die Idee zehn Jahre mit mir rumgetragen, ich habe fast ein Jahr an der Rohfassung geschrieben, da kann es auch noch ein wenig warten.

      Du solltest halt nicht vergessen, wie betriebsblind man für die eigenen Fehler ist. Bei anderen Autoren finde ich welche, die ich bei mir glatt übersehe, ich wundere mich wirklich jedes Mal, wenn einer von einem Testleser angestrichen wird, wie ich den nur übersehen konnte.

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    3. Interessant, man lernt nie aus. Ich hätte nicht gedacht, dass Agenten tatsächlich so wählerisch sind. Immerhin ist ja Fantasy schon eines der beliebteren Genres, wenn man so durch die Buchhandlungen spaziert. Gerade nach dem Aufleben von Vampir- und Werwolf-Romanen. Da ich selbst bisher noch kein Buch für die Veröffentlichung fertig habe, sondern noch daran arbeite, habe ich mich mit Agenturen auch noch nicht intensiver beschäftigt. Gerade mit meinen Liebesromane werde ich auch gar nicht erst versuchen, einen Agenten oder Verlag zu finden, da die qualitativ sowieso nicht hochwertig genug dafür wären, entsprechend gehe ich direkt den Weg übers Self-Publishing. Für meinen Fantasy-Roman, an dem ich seit über 10 Jahren arbeite, will ich aber schon den traditionellen Weg gehen, weswegen ich mir auch eine Reihe von Fantasy-Verlagen abgespeichert habe (Drachenmond bspw.). Wenn du die Erfahrung gemacht hast (oder davon erzählt bekommen hast), dass man an Klein-Verlage auch ohne Agenten rankommen kann, ist das für mich definitiv ermutigend :)

      Was Korrektorat angeht - für eigene Fehler ist man in der Tat betriebsblind, da hast du Recht. Vermutlich wird das an meiner Schwester hängen bleiben, die studierte Deutschlehrerin ist und mir auch meine Masterarbeit Korrektur gelesen hat. Zumindest solange, bis ich das Geld für einen professionellen Korrektor habe. Im Moment sieht es finanziell einfach zu eng aus. Aber ich bin mir bewusst, dass ich langfristig keinen Erfolg haben kann, wenn ich nicht in die Produktion meiner selbstverlegten eBooks investiere.

      Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, von dir so viele interessante Dinge zu erfahren, die eine andere Perspektive aufzeigen als jene, die ich bisher hatte!

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  3. Also Agenturen sind vor allem interessant, wenn es darum geht, an die großen verlage ranzukommen, und letztendlich liegen auch fast nur deren Bücher in der Buchhandlung. Was Fantasy angeht, ist der Markt einfach gesättigt, und zwar mit Übersetzungen. Schau mal aus Spaß in der Buchhandlung in der Fantasy-Ecke, wie viele deutsche Autoren du dort findest, vielleicht ein, oder zwei, das meiste sind Übersetzungen.

    Nach allem, was ich so gelesen habe, lassen einen die Kleinen halt oft mehr mitreden, aber da ist es auch sinnig, vorher immer nach Erfahrungen zu suchen, es gibt auch schwarze Schafe. Drachenmond ist sehr beliebt und höre auch nur Gutes, allerdings haben die gerade Annahmestopp.

    Wenn Du jemanden hast, der für Dich korrigiert, ist das schonmal gut. Ob ein Lektorat zwingend sein muss, ist eine immer wiederkehrende Streitfrage, aber ein Korrektorat finde ich schon wichtig. Wenn es gründlich gemacht wird spricht ja nichts dagegen, das von einer Freundin erledigen zu lassen :-).

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