Mittwoch, 24. August 2016

Self-Publishing mit Amazon KDP [2]: Harte Fakten

Nachdem ich letzte Woche einige sehr erfolgreiche Beispiele genannt habe, die zeigen, dass Autoren in Eigenregie sehr viel Geld verdienen können, ohne von sich aus zuerst einen Verlag anzusprechen, wollen wir uns diese Woche mit den nackten Zahlen beschäftigen. Wie viel kann ich tatsächlich mit Amazon KDP verdienen? Welche Genres ziehen? Sollte ich vielleicht doch lieber zu einem richtigen Verlag gehen?




Die wöchentliche eBook-Topliste


Die deutsche Website "Die Self-Publisher-Bibel" veröffentlicht regelmäßig eine Top-1000-Liste der Bücher, die auf Amazon am besten laufen. Auf Platz 1 diese Woche ist der Liebesroman "Ein Ire fürs Herz" von Annabelle Benn. Die Amazon-Verkaufsseite zeigt, dass es in den beiden eBook-Kategorien Liebesroman und Dramatik ebenfalls jeweils auf Platz 1 liegt sowie in der Belletristik-Kategorie für Dramatik. Das Buch ist als eBook für 1,89€ zu haben, Abonnenten von KindleUnlimited, einer eBook-Flatrate, lesen es kostenlos.
Ein Blick auf die restliche Top 20 zeigt schnell: Hier dominieren Liebesromane und Thriller, nur ein Humor-Buch hat sich dazwischen geschlichen. Ebenfalls ist auffällig, dass diverse dieser Bücher Bestandteil einer Reihe sind. Der Markt hat offenbar Interesse an Liebesgeschichten, die über viele Bücher hinweg gestrickt werden, und an Ermittlern, die in einem Fall nach dem anderen spannende Fälle lösen.


Wie viel verdiene ich tatsächlich mit Self-Publishing?


Natürlich ist es unmöglich, den Erfolg eines Buches vorherzusehen, entsprechend ist das tatsächliche Einkommen sehr individuell. Man kann sich jedoch mit ein paar Mathe-Beispielen behelfen oder allgemeine Statistiken und Umfragen betrachten.
Fangen wir mit der Mathematik an. Amazon KDP bietet zwei Tantieme-Optionen an, wobei Tantieme bestimmt, wie viel Prozente vom tatsächlichen Buchpreis am Ende an den Autor gehen. In Deutschland kann man dabei relativ frei zwischen 35% und 70% wählen. Natürlich will man da als Autor sofort zu der 70%-Option greifen, doch das hat einen Haken: Der Mindestpreis für diese eBooks liegt bei 2,99€. Für einen Anfänger, der noch kein Buch veröffentlicht hat und an der eigenen Qualität zweifelt, ist das schon ein stolzer Preis. Ich persönlich habe mich daher für mein erstes (noch nicht veröffentlichtes) Buch für die 35%-Option entschieden, welche einen Mindestpreis von 0,99€ verlangt. Nehmen wir an, ich mache Werbung für dieses Buch und schaffe es tatsächlich, dass innerhalb der ersten Woche 120 Menschen mein Buch kaufen.

120 eBooks für 0,99€ = 118,80€  → 118,80€ * 0,35 = 41,58€

In diesem Beispiel, das schon mit einem guten Erfolg des Buches rechnet, würde ich also innerhalb von einer Woche 42€ verdienen. Auf den Monat hochgerechnet ergäbe das 160€. Davon kann ich meine Krankenversicherung bezahlen, aber niemals meine Miete - und da habe ich immerhin mit knapp 500 Buch-Verkäufen im Monat gerechnet!

Eine Umfrage der Self-Publisher-Bibel, welche sie seit 2013 jährlich durchführen, zeichnet auf den ersten Blick ein besseres Bild. Der Durchschnittsverdienst aller Umfrageteilnehmer lag 2015 bei 512€, während er 2014 bei 494€ und 2013 bei 312€ lag. Es ist also nicht nur ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen, sondern über 500€ als Monatsverdienst klingen schon gar nicht so schlecht. Doch wie immer liegt der Teufel im Detail: Nur 16% der Teilnehmer von 2015 gaben an, dass sie im Monat mehr als 300€ verdienen. Der Durchschnittsverdienst wird also deutlich nach oben verzerrt durch einige wenige Ausnahmen, die tausende Euro mit ihren Werken verdienen. Mehr als 80% aller Self-Publishing-Autoren verdienen keine 300€ im Monat, schlimmer noch, etwa die Hälfte der Autoren verdienen keine 50€. Da erscheint mein Rechenbeispiel plötzlich sehr freundlich.

Für 2016 sieht es in der Einkommensverteilung übrigens sehr ähnlich aus:

Quelle: selfpublisherbibel.de, Eigene Darstellung
Noch immer ist für die Hälfte der Autoren das Self-Publishing kaum ein ernstzunehmender Nebenverdienst. Die 15% jener, die über 1.000€ im Monat mit ihren Büchern verdienen, locken natürlich, doch dagegen stehen die knapp 70%, die mit ihren Einnahmen ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren können. Auch zeigt sich, dass es eine deutliche Zweiteilung gibt, da nur 4% in dem Rahmen zwischen 500€ und 1.000€ liegen. Eine kleine Minderheit lebt gut vom Schreiben, die deutliche Mehrheit kann es nur als Taschengeld betrachten.

Sollte ich also besser meine Finger vom Self-Publishing lassen und entweder gar nicht schreiben, oder es bei einem Verlag versuchen? Meine persönliche Antwort darauf lautet: Nein. Das tatsächliche Einkommen hängt von so vielen Faktoren ab, die man teilweise selbst beeinflussen kann, dass es für jeden Schriftsteller definitiv zumindest einen Versuch wert ist. Lediglich eine realistische Perspektive sollte man sich bewahren, denn wer denkt, mit Bücherschreiben könne er schnelles, leichtes Geld verdienen, hat sich verkalkuliert. In den nächsten Wochen werde ich auf diesem Blog eine Reihe von Tipps und Strategien zusammenstellen, die dem Erfolg eines Buches helfen können. Meine eigene Reise beginnt erst, so dass ich zeitgleich alle vorgeschlagenen Tipps selbst anwenden und auf Effektivität auswerten kann. Es stehen uns allen einige spannende Monate bevor!

Kommentare :

  1. Interessanter Beitrag :) Ich glaube auch, dass man mit SP gutes Geld verdienen KANN, aber das man eben auch selbst etwas dafür tun muss.
    Etwas schade finde ich, dass die Kosten, die einem Autor entstehen bei dir keine Erwähnung finden. Natürlich muss man als SPler kein Lektorat oder ein professionelles Coverdesign machen lassen, aber wenn, dann entstehen da bereits im Vorfeld kosten, die ja erstmal wieder reingeholt werden müssen. Und gerade ein gut gemachtes Cover ist eben auch ein Werbefaktor, mit dem sich die Buchverkäufe ankurbeln lassen. Da hat man Glück, wenn man selber begabt ist und das selber machen kann :D

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    1. Hey, danke für deinen Kommentar :) Was die Kosten für den Autor im Self-Publishing angeht, werde ich noch andere Artikel schreiben. Das sind dann quasi Follow-Up-Artikel hierzu, die zeigen sollen, dass mit genügend Zeit, Fleiß, Ideen und ein wenig finanziellem Engagement doch einiges möglich ist :)

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    2. Achso, alles klar, dann speicher ich mir deinen Blog ab und gucke mal, was da noch so kommt :) Ich dachte nur, dass man das ja in Hinsicht auf den Verdienst relativieren muss. Wenn jemand 1000 Euro verdient, aber vorher aus irgendwelchen Gründen schon 2000 Euro investiert hat, dann hören sich 1000 Euro auch nicht mehr so toll an :D Ich denke, du weißt, was ich meine.
      Das Tantiemen-System von Amazon kannte ich übrigens noch gar nicht, das war auch mal interessant zu erfahren :)

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